Von Saigon nach Berlin – eine Reise durch Generationen, Rezepte und Leidenschaft.
1975
Als Saigon fiel, flüchtete Großmutter Lan mit nichts außer einem kleinen Bündel — und den Rezepten im Kopf. Aufschreiben wagte sie nichts, zu gefährlich. Stattdessen trug sie alles in der Erinnerung: die genaue Stunde für die Knochenbrühe, das Verhältnis von Sternanis zu Zimtstange, die Handgriffe, die aus einfachen Zutaten etwas Außergewöhnliches machen.
Dieses Wissen ist das Fundament von allem, was Maison Phở heute ist.
1989
Mit dem Fall der Mauer kamen auch Minh und Lan Thi Nguyen nach Berlin. Die Stadt war rau, hungrig und voller Aufbruch – der perfekte Boden für etwas Neues. In ihrer kleinen Wohnung in Mitte begannen sie zu kochen: für sich, für Freunde, für Nachbarn, die die Aromen noch nie zuvor gerochen hatten und sie sofort liebten.
Die Wohnung roch nach Zitronengras und Sternanis. Die Nachbarn kamen häufiger.
1998
Mit zehn Tischen und einem einzigen Herd eröffneten Minh und Lan Thi das erste Maison Phở in der Torstraße. Die Brühe kochte Minh bereits um vier Uhr morgens an. An guten Tagen reichte sie bis zum Abend. An anderen Tagen war sie um halb zwölf schon weg — und die Schlange stand trotzdem.
Das Geheimnis? Minh und Lan Thi kochten nicht für Gäste. Sie kochten, wie man für die Familie kocht.
2019
Aufgewachsen zwischen Töpfen und Gewürzschalen, übernahm Tochter Linh 2019 die Leitung des Restaurants. Sie brachte neue Einflüsse, ohne das Alte zu verraten. Die 12-Stunden-Brühe wird noch immer nach Großmutter Lans Rezept gekocht — aber die Art, wie sie erzählt wird, das ist Linhs eigenes Kapitel.
Heute sind es zwanzig Tische. Die Warteliste ist täglich lang.
Frische über Bequemlichkeit. Wir kaufen jeden Morgen frisch auf dem Wochenmarkt ein. Keine Convenience-Produkte, keine gefrorenen Saucen. Was nicht frisch ist, kommt nicht auf den Tisch.
Tradition über Trend. Unsere Rezepte sind Jahrzehnte alt. Wir modernisieren die Präsentation – aber nie die Zubereitungsweise. Die 12-Stunden-Brühe wird nicht kürzer, weil wir es schneller könnten.
Gemeinschaft über Umsatz. Wir kennen die Namen unserer Stammgäste. Wir fragen, wie die Kinder sich machen. Wir sind kein Restaurant – wir sind ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen.